Und immer lockt die Koalitions-AfD
Und sie kann sich noch so aufdringlich im angenervten Tonfall anbieten: Alice Weidel schafft es einfach nicht, mit ihrer AfD beim zahlenmäßig potentiellen Koalitionspartner CDU zu punkten. Auch aktuell in Baden-Württemberg, wo Grün-Schwarz und Schwarz-Blau als Regierungsduo möglich wären – null Interesse bei der CDU.
Trotz der ständigen Schmach für die Partei-Ko-Vorsitzende kann sie sich über das gestrige Ergebnis nicht beklagen – auch angesichts der Tatsache, dass der Spitzenkandidat gar nicht in den Landtag einziehen will, weil er im Bundestag sitzt: ein Plus von 9,1 Prozent im Vergleich zu 2021 (2021: 9,7 Prozent, 2016: 15,1 Prozent), die meisten Nichtwählenden angezogen und hohe Anteile bei Arbeitenden im Ländle.

Und letzteres ist kein gutes Signal. Denn zur Zeit laufen in Deutschland Betriebsratswahlen. Und immer öfter tauchen in den Betrieben rechtsextreme Gruppierungen auf. In Baden-Württemberg waren sie bisher eine Randerscheinung. „Bei Mercedes, im Stammwerk in Stuttgart-Untertürkheim etwa, holte die rechtsextreme Gruppierung »Zentrum Automobil« einzelne Mandate, blieb aber stets eine Randerscheinung“, berichtet der SPIEGEL.
In Ostdeutschland ist man da wohl schon weiter. Im VW-Motorenwerk in Chemnitz hat das so AfD-nahe „Bündnis freie Betriebsräte“ einen Erfolg eingefahren, wie das Magazin berichtet. 17 Mandate waren zu vergeben. Die Liste hat es demnach geschafft, vier ihrer fünf Kandidaten einen Posten zu verschaffen.
Bekommen wir mit den Landtagswahlen im September in Mecklenberg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt sowohl in den Betrieben als auch in der Politik blaue Verhältnisse? Erreicht Alice Weidel dort dann ihr lang ersehntes Koalitions-Ziel, mit der CDU?
AfD punktet bei Wählenden mit schlechter wirtschaftlicher Situation
In Meckpo sind es aktuell 37 blaue Prozentpunkte. Koalieren ginge dort eigentlich nur mit der SPD mit 23 Prozent (was wohl nichts werden dürfte), knapp würde es mit der CDU mit aktuell 13 Prozent.
In Sachsen-Anhalt ist nach aktuellen Zahlen zum ersten Mal eine blau-schwarze Regierungskoalition möglich: 39 Prozent für die AfD, 26 Prozent für die CDU. Mit den 11 Prozent der Linken dürften Spekulationen kaum Sinn machen.
Wird es die Zeit bis es September richten? Wohl kaum.
Kleines Detail übrigens, das vielleicht mal ins Visier aller demokratischen Parteien geraten sollte: die AfD-Stimmanteile bei Wählenden mit schlechter wirtschaftlicher Situation sind dramatisch hoch. Frustwählende sind neben den Nichtwählenden die erfolgversprechendste Zielgruppe der AfD. Auch wenn ihr Programm kaum Lösung anbietet.
Heißt für die etablierten Parteien? Die Menschen aufsuchen, mit ihnen sprechen, überzeugen, Angebote machen, immer und immer wieder.
Die Grünen im Ländle haben den Haustürwahlkampf schon wieder entdeckt. Offenbar ein probates Mittel, um den Rechtsruck zu bekämpfen.

Grafiken: ARD/infratest dimap