Studien, AfD

Mit Fragetechnik Kluft zwischen AfD und Grünen überwinden?

Nichtwissen spielerisch herauszufordern. Das wollten Forschende der Universitäten Augsburg und Hamburg mit einer Studie, um Differenzen zwischen zwei sehr weit auseinander liegenden Gruppen wie AfD und Grünen zu überwinden.

„Ein Aha-Moment führt zu Lachern und Überraschung“, berichtet einer der Forschenden, der Psychologe Steffen Moritz am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung: „Wem derart die Augen über sein Unwissen geöffnet wurde, ist bereit, seine Einstellung zu überdenken und vor allem Handlungskonsequenzen wie Gewalt in Schach zu halten.“

Die Studie sei ein Versuch, Gewalt in der Gesellschaft herunterzuschrauben. „Meine Hoffnung wäre, dass Menschen vielleicht den Kopf schütteln, wenn sie zum Beispiel die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt oder die AfD-Politikerin Alice Weidel treffen, aber beide Frauen nicht mit Gewalt oder Vergewaltigung bedrohen und keine abfälligen Bemerkungen über ihr Aussehen machen“, so Steffen Moritz im Interview.

In dem Versuch wurden zwölf Fragen zu verbreiteten politischen Stereotypen mit jeweils drei Antwortmöglichkeiten gestellt, von der nur eine Antwort richtig war. Als Beispiel nennt der Psychologe die Frage „Gibt es die Unterorganisation ‚Juden in der AfD‘?

Mögliche Antworten:

  • a) Ja, gibt es, gegründet von einem ehemaligen Mitglied des Zentralrats der Juden.
  • b) Ja, gibt es, aber ist eigentlich eine Fake-Organisation, von Nicht-Juden gegründet.
  • c) Nein, gibt es nicht, darf es auch nicht geben, weil Juden zwar Mitglied der AfD sein dürfen, aber ihren Glauben nicht ausleben dürfen.

Die Antwort lautet hier a, viele Probanden, die sich den Grünen zugehörig fühlen, hätten aber c gesagt. Umgekehrt hätten der grünen Katrin Göring-Eckardt viele aus dem rechten Lager praktisch alles zugetraut. „Vermeintliche Gewissheiten über den ideologischen Gegner entpuppten sich als falsch“, so Steffen Moritz.

Eigentlich handelt es sich bei der dem Versuch zugrunde liegenden Frage-Antwort-Technik um eine Behandlung, die bei schweren psychischen Störungen eingesetzt wird. Dabei werden Fotos gezeigt und zum Beispiel gefragt: Singt diese Person oder ist sie wütend? Wer an Schizophrenie erkrankt ist, liegt mit seinem Urteil dann oft falsch.

Laut dem Psychologen geht es bei dem von ihm entwickelten Metakognitive-Training (MKT) darum, Zweifel zu säen, übermäßige Urteilssicherheit zu reduzieren, Aha-Erlebnisse zu schaffen und zu zeigen, dass man nicht vorschnell urteilen sollte, sondern erst weitere Informationen sammeln muss. „Diese Methode reduziert Wahn kurz- und langfristig“, so der UKE-Professor.

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